Oberhalb von Wöllersdorf erhebt sich ein kleiner steinerner Rundturm, hinter dem sich eine wesentlich ältere und geheimnisvollere Welt verbirgt: der Höhlturm mit der Höhlturmhöhle, die auch Höllturmhöhle genannt wird.
Der Höhlturm wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet. Er war Teil einer Befestigungsanlage und sicherte den Zugang zu der dahinterliegenden Höhle. In Kriegs- und Notzeiten konnte die Bevölkerung die Höhle als Zufluchtsort nutzen.
Urkundlich erwähnt wurde der Höhlturm erstmals im Jahr 1531. Seine Bedeutung als Schutzort zeigt sich auch später: In einer Defensivordnung von 1669 wurden der Höhlturm und die Höhle ausdrücklich als Zufluchtsort verzeichnet.
Die Höhle selbst ist deutlich älter als der Turm. Sie liegt im Kalkgestein oberhalb von Wöllersdorf und besitzt heute eine bekannte Gesamtlänge von rund 180 Metern. Ein größerer Bereich der Höhle wird als „Tanzsaal“ bezeichnet.
Das heutige Erscheinungsbild entspricht allerdings nicht vollständig dem ursprünglichen Höhlensystem. Im 19. Jahrhundert wurde in der Umgebung intensiv Stein abgebaut. Vermutlich in den 1840er-Jahren wurde dabei der ehemalige Verbindungsgang zwischen dem Höhlturm und der Höhle zerstört. Gleichzeitig entstanden beziehungsweise veränderten sich dadurch die heutigen Eingänge.
Doch neben der belegbaren Geschichte existieren rund um die Höhle seit langer Zeit zahlreiche Sagen.
Eine der bekanntesten erzählt von einem armen Ritter, der in der Höhle gelebt haben soll. Weil er weder raubte noch mordete, besaß er nur wenig und konnte sich lediglich einen kleinen Turm und einen Stall für sein Pferd leisten. Die Menschen verspotteten ihn deshalb als „Bettelritter“.
Als jedoch Feinde in das Tal eindrangen, soll genau dieser Ritter den Bewohnern der Umgebung Schutz gewährt haben. Er nahm sie in der Höhle auf und verteidigte den Zufluchtsort erfolgreich.
Aus Dankbarkeit soll die Bevölkerung den armen Ritter anschließend reich beschenkt haben. Der Sage nach errichtete er später eine größere Burg und wurde sogar zum Ahnherrn des mächtigen Geschlechts der Starhemberger.
Doch das ist nicht die einzige Erzählung über diesen Ort.
Alte Überlieferungen berichten auch von sogenannten „Waldweibern“, die in oder bei der Höhle gelebt haben sollen.
Bereits eine Beschreibung aus dem Jahr 1826 erwähnt die Sage, dass der Turm früher von Waldweibern bewacht worden sei.
Andere Geschichten erzählen von verborgenen Schätzen, steinernen Särgen, Teilen alter Rüstungen und einem geheimen unterirdischen Gang, der angeblich bis zur Burg Starhemberg geführt haben soll.
Belegt sind solche Geschichten nicht. Sie gehören zum Sagenschatz, der sich über Generationen rund um die Höhle entwickelt hat.
Auch archäologische Spuren wurden gefunden. Untersuchungen brachten vor allem Keramik aus dem 15. bis 20. Jahrhundert hervor; eine Tonscherbe aus dem 12. Jahrhundert gilt als einer der ältesten dort dokumentierten Funde.
1994 wurde der Höhlturm renoviert. Heute ist er Wahrzeichen der Marktgemeinde Wöllersdorf-Steinabrückl und sogar Bestandteil des Gemeindewappens.
Damit verbindet dieser Ort mehrere Jahrhunderte tatsächlicher Geschichte mit Erzählungen, deren Ursprung sich heute kaum noch bestimmen lässt.
Zwischen mittelalterlicher Befestigung, Zufluchtsort und unterirdischer Höhle entstanden Geschichten von Bettelrittern, geheimen Gängen und Waldweibern – Geschichten, die bis heute Teil der Erinnerung an den Höhlturm von Wöllersdorf sind.
GESCHICHTE
Die Geschichte des Ortes.
ZEITLEISTE
Chronologie.
12. JahrhundertEine Tonscherbe aus dieser Zeit zählt zu den ältesten dokumentierten Funden aus dem Bereich der Höhlturmhöhle.
2. Hälfte des 15. JahrhundertsDer Höhlturm wird als Teil einer Befestigungsanlage errichtet. Die dahinterliegende Höhle dient in Notzeiten als Zufluchtsort.
1531Der Höhlturm wird erstmals urkundlich erwähnt.
1669Höhlturm und Höhle werden in einer Defensivordnung als Zufluchtsort für die Bevölkerung angeführt.
1826Eine historische Beschreibung erwähnt bereits die Sage von den sogenannten Waldweibern, die mit dem Höhlturm in Verbindung gebracht werden.
19. JahrhundertDurch intensiven Steinabbau verändert sich das Gebiet rund um die Höhle erheblich.
Vermutlich 1840er-JahreDer ursprüngliche Verbindungsgang zwischen Höhlturm und Höhle wird durch den Steinabbau zerstört.
1924Die Sage vom armen „Bettelritter“ wird in Carl Callianos Niederösterreichischem Sagenschatz veröffentlicht.
1994Der Höhlturm wird renoviert und als historisches Wahrzeichen erhalten.
HeuteDer Höhlturm ist Wahrzeichen von Wöllersdorf-Steinabrückl. Geschichte und regionale Sagen rund um Bettelritter, Waldweiber, verborgene Schätze und geheime Gänge sind bis heute mit dem Ort verbunden.
HEUTE
Was ist geblieben?
Der Höhlturm ist heute kein klassischer verlassener Lost Place mehr. Das historische Bauwerk wurde 1994 renoviert und erhalten. Heute gilt es als Wahrzeichen von Wöllersdorf und ist sogar Bestandteil des Gemeindewappens.
Die dahinterliegende Höhlturmhöhle – auch Höllturmhöhle genannt – ist ebenfalls weiterhin vorhanden. Das heute bekannte Höhlensystem besitzt eine Gesamtlänge von rund 180 Metern. Durch den früheren Steinabbau wurde das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gebietes allerdings stark verändert. Der einstige Verbindungsgang zwischen Turm und Höhle existiert heute nicht mehr.
Gerade diese Mischung aus erhaltenem mittelalterlichem Bauwerk, Höhlensystem und jahrhundertealten Überlieferungen macht den Ort besonders. Geschichten über den Bettelritter, die sogenannten Waldweiber, verborgene Schätze und angebliche unterirdische Gänge gehören bis heute zur regionalen Sagenwelt.
Besucher sollten den historischen und natürlichen Charakter des Ortes respektieren. Spuren der Stille dokumentiert die Geschichte und die überlieferten Sagen, veröffentlicht jedoch keine Hinweise zum unerlaubten Betreten gesperrter oder nicht öffentlich zugänglicher Bereiche.
Die dahinterliegende Höhlturmhöhle – auch Höllturmhöhle genannt – ist ebenfalls weiterhin vorhanden. Das heute bekannte Höhlensystem besitzt eine Gesamtlänge von rund 180 Metern. Durch den früheren Steinabbau wurde das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gebietes allerdings stark verändert. Der einstige Verbindungsgang zwischen Turm und Höhle existiert heute nicht mehr.
Gerade diese Mischung aus erhaltenem mittelalterlichem Bauwerk, Höhlensystem und jahrhundertealten Überlieferungen macht den Ort besonders. Geschichten über den Bettelritter, die sogenannten Waldweiber, verborgene Schätze und angebliche unterirdische Gänge gehören bis heute zur regionalen Sagenwelt.
Besucher sollten den historischen und natürlichen Charakter des Ortes respektieren. Spuren der Stille dokumentiert die Geschichte und die überlieferten Sagen, veröffentlicht jedoch keine Hinweise zum unerlaubten Betreten gesperrter oder nicht öffentlich zugänglicher Bereiche.
Keine Hinweise zum Umgehen von Absperrungen oder zum unerlaubten Betreten.
🎧 AUDIOGUIDE
Höhlturm & Höhlturmhöhle
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Höhlturm & HöhlturmhöhleWöllersdorf
QUELLEN
Recherche.
Marktgemeinde Wöllersdorf-Steinabrückl – Sehenswürdigkeiten: Höhlturm
Offizielle Informationen zur Geschichte des Höhlturms, seiner Funktion als Zufluchtsort, der Renovierung 1994 und zur Sage vom Bettelritter.
https://www.woellersdorf-steinabrueckl.gv.at/sites/sehenswuerdigkeiten
MeinBezirk – „Damals und heute: Wöllersdorf – Die Höhlturmhöhle, auch Höllturmhöhle genannt“
Dokumentation zur Geschichte der Höhle sowie zu den überlieferten Erzählungen über Waldweiber, verborgene Schätze und einen angeblichen unterirdischen Verbindungsgang.
https://www.meinbezirk.at/wiener-neustadt/c-regionauten-community/damals-und-heute-woellersdorf-die-hoehlturmhoehle-auch-hoellturmhoehle-genannt-zweite-haelfte-des-15-jhd-bis2022_a5111644
Wikimedia Commons – „Wöllersdorf – Höhlturm“
Fotografische Dokumentation des Höhlturms.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:W%C3%B6llersdorf_-_H%C3%B6hlturm.JPG
Offizielle Informationen zur Geschichte des Höhlturms, seiner Funktion als Zufluchtsort, der Renovierung 1994 und zur Sage vom Bettelritter.
https://www.woellersdorf-steinabrueckl.gv.at/sites/sehenswuerdigkeiten
MeinBezirk – „Damals und heute: Wöllersdorf – Die Höhlturmhöhle, auch Höllturmhöhle genannt“
Dokumentation zur Geschichte der Höhle sowie zu den überlieferten Erzählungen über Waldweiber, verborgene Schätze und einen angeblichen unterirdischen Verbindungsgang.
https://www.meinbezirk.at/wiener-neustadt/c-regionauten-community/damals-und-heute-woellersdorf-die-hoehlturmhoehle-auch-hoellturmhoehle-genannt-zweite-haelfte-des-15-jhd-bis2022_a5111644
Wikimedia Commons – „Wöllersdorf – Höhlturm“
Fotografische Dokumentation des Höhlturms.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:W%C3%B6llersdorf_-_H%C3%B6hlturm.JPG