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INDUSTRIEGESCHICHTE / HISTORISCHE RUINE · WöLLERSDORF, NIEDERöSTERREICH

Der vergessene Kalkofen von Wöllersdorf

Zwischen den alten, heute überwachsenen Steinbrüchen von Wöllersdorf finden sich Spuren einer Industrie, die einst weit über die Region hinaus Bedeutung hatte. Wöllersdorfer Kalkstein wurde über Jahrhunderte abgebaut und im 19. Jahrhundert unter anderem für bedeutende Bauwerke in Wien verwendet. Historische und geologische Quellen belegen außerdem Kalköfen bei den Wöllersdorfer Steinbrüchen. Der heute erhaltene Ofen bei 47.872456, 16.158415 dürfte ein Relikt dieser Zeit sein. Seine genaue Bauzeit und die eindeutige Zuordnung zu einem bestimmten Steinbruchbetrieb sind jedoch noch Gegenstand unserer Recherche.

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GESCHICHTE

Die Geschichte des Ortes.

Lange bevor Wöllersdorf durch seine Munitionsindustrie bekannt wurde, spielte ein anderer Rohstoff eine wichtige Rolle für den Ort:

Stein.

Die Kalksteinvorkommen rund um Wöllersdorf wurden bereits seit Jahrhunderten genutzt. Die alten Steinbrüche entwickelten sich schließlich zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig der Region.

Besonders wichtig war der sogenannte Wöllersdorfer Stein, ein sehr dichter und widerstandsfähiger Kalkstein.

Seine große Zeit begann ungefähr Mitte des 19. Jahrhunderts.

Wien wuchs rasant. Bahnhöfe, Brücken und monumentale Gebäude entstanden, und dafür wurden enorme Mengen hochwertigen Natursteins benötigt.

Wöllersdorf wurde zu einem der Lieferanten.

Historische geologische Aufzeichnungen nennen unter anderem die Wiener Votivkirche und zahlreiche Monumentalbauten der Ringstraße als Verwendungsorte des Wöllersdorfer Steins. Auch für technische Großprojekte wurde Material aus der Gegend verwendet.

In den 1870er-Jahren beschäftigten große Steinbruchbetriebe der Region teilweise Hunderte Arbeiter. Ein Bericht von 1894 beschreibt Wöllersdorfer Steinbrüche und erwähnt auch große Kalköfen im Zusammenhang mit dem Steinbruchbetrieb.

Doch nicht jeder gebrochene Kalkstein wurde als Baustein verwendet.

Ein Teil konnte in Kalköfen gebrannt werden.

Dabei wurde Kalkstein bei sehr hohen Temperaturen zu Branntkalk verarbeitet. Dieser war ein wichtiger Rohstoff, beispielsweise für die Herstellung von Mörtel und anderen Baustoffen.

Geologische Untersuchungen der ehemaligen Wöllersdorfer Steinbrüche bestätigen ausdrücklich die Existenz ehemaliger Kalköfen.

Besonders interessant ist ein alter Steinbruch rund 1.250 Meter nordwestlich der Kirche von Wöllersdorf.

Dieser Steinbruch war über ein Feldbahngleis mit dem Bahnhof Wöllersdorf verbunden. Direkt vor dem Steinbruch befand sich laut einer geologischen Beschreibung ebenfalls ein Kalkofen.

Über die Feldbahn konnten Stein und andere Materialien wesentlich effizienter transportiert werden.

Um 1900 wurden in den Wöllersdorfer Kalkbrüchen noch ungefähr 1.000 Kubikmeter Quaderstein und 6.000 Kubikmeter Bruchstein produziert.

Doch die große Zeit des Wöllersdorfer Natursteins ging ihrem Ende entgegen.

Die Ringstraßenbauten in Wien waren weitgehend abgeschlossen. Gleichzeitig wurden Natursteine zunehmend durch andere Baustoffe ersetzt.

Um 1900 ging der Abbau deutlich zurück.

Die alten Steinbrüche wurden schließlich aufgegeben.

Heute beschreibt die Geologische Bundesanstalt die ehemaligen Wöllersdorfer Steinbrüche als stillgelegt und verwachsen.

Zurück blieben Steinbruchwände, überwachsene ehemalige Betriebsflächen – und Relikte der Anlagen, die einst zur Verarbeitung des Kalksteins dienten.

Zu diesen Relikten dürfte auch der heute noch vorhandene alte Kalkofen von Wöllersdorf gehören.

Seine Mauern erinnern an eine Zeit, in der hier Feuer brannte und aus dem Stein der umliegenden Berge ein wichtiger Baustoff entstand.

Heute brennt der Ofen nicht mehr.

Die Arbeiter sind verschwunden.

Die Feldbahn ist verstummt.

Und die ehemaligen Steinbrüche werden langsam von der Natur zurückerobert.

Doch zwischen den überwachsenen Spuren ist ein Stück der alten Industriegeschichte Wöllersdorfs geblieben.

Hinweis zur historischen Zuordnung:
Historische und geologische Quellen belegen mehrere Kalköfen im Zusammenhang mit den ehemaligen Wöllersdorfer Steinbrüchen. Die eindeutige Zuordnung des erhaltenen Bauwerks bei 47.872456, 16.158415 zu einem bestimmten historischen Steinbruchbetrieb konnte bislang jedoch nicht abschließend belegt werden. Spuren der Stille recherchiert die Geschichte dieses Bauwerks weiter.

ZEITLEISTE

Chronologie.

19. Jahrhundert – Aufschwung der Wöllersdorfer Steinbrüche
Der Abbau des Wöllersdorfer Kalksteins gewinnt stark an Bedeutung. Der widerstandsfähige Naturstein wird unter anderem für große Bauprojekte verwendet.
Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts – Blütezeit
Mit dem starken Wachstum Wiens steigt die Nachfrage nach Naturstein. Wöllersdorfer Stein findet unter anderem bei repräsentativen Bauwerken Verwendung.
19. Jahrhundert – Kalkverarbeitung
Neben der Gewinnung von Baustein wird Kalkstein auch weiterverarbeitet. Historische und geologische Quellen dokumentieren Kalköfen im Bereich der Wöllersdorfer Steinbrüche.
1894 – Kalköfen dokumentiert
Eine zeitgenössische Beschreibung der Kalksteinbrüche am Rand des Wiener Beckens dokumentiert die Steinindustrie der Region und erwähnt Kalköfen im Zusammenhang mit dem Steinbruchbetrieb.
Um 1900 – Noch aktive Steinproduktion
In den Wöllersdorfer Kalkbrüchen werden weiterhin erhebliche Mengen an Quader- und Bruchstein gewonnen.
Um beziehungsweise kurz nach 1900 – Niedergang
Die Bedeutung der Steinbrüche nimmt ab. Einzelne Abbaustellen werden stillgelegt und die dazugehörigen Betriebsanlagen verlieren ihre Funktion.
20. Jahrhundert – Verfall
Nicht mehr benötigte Anlagen werden aufgegeben. Vegetation breitet sich auf den ehemaligen Betriebsflächen aus.
Spätes 20. / frühes 21. Jahrhundert – Natur erobert das Gelände zurück
Die ehemaligen Steinbrüche werden in geologischen Untersuchungen als stillgelegt und verwachsen beschrieben.
Heute – Relikt der Industriegeschichte
Bei 47.872456, 16.158415 befindet sich das von Spuren der Stille dokumentierte historische Ofenbauwerk. Aufgrund der bekannten Kalkverarbeitung in den Wöllersdorfer Steinbrüchen wird es derzeit als ehemaliger Kalkofen eingeordnet.
2026 – Recherche durch Spuren der Stille
Das Bauwerk wird als #009 – Der vergessene Kalkofen von Wöllersdorf dokumentiert. Die genaue Bauzeit und die Zuordnung zu einem bestimmten historischen Steinbruchbetrieb werden weiter erforscht.

HEUTE

Was ist geblieben?

Der ehemalige Kalkofen von Wöllersdorf ist heute ein stilles Relikt der einst bedeutenden Stein- und Kalkindustrie der Region.

Der industrielle Betrieb ist längst verschwunden. Auch die umliegenden ehemaligen Steinbrüche werden nicht mehr genutzt. Eine geologische Fachpublikation beschreibt die Wöllersdorfer Steinbrüche heute ausdrücklich als stillgelegt und verwachsen und bestätigt gleichzeitig, dass sich dort ehemalige Kalköfen befanden.

Wo früher Kalkstein gebrochen, transportiert und in großen Öfen verarbeitet wurde, hat sich die Natur große Teile des Geländes zurückgeholt. Vegetation verdeckt zunehmend die ehemaligen Betriebsflächen und lässt die frühere industrielle Bedeutung des Gebietes heute nur noch erahnen.

Das bei 47.872456, 16.158415 dokumentierte Ofenbauwerk erinnert an diese Vergangenheit. Seine ursprüngliche Funktion wird aufgrund der historischen Kalkverarbeitung und der nachgewiesenen Kalköfen in den Wöllersdorfer Steinbrüchen derzeit als Kalkofen eingeordnet.

Historische Quellen zeigen, wie bedeutend diese Anlagen einst waren: Bereits 1894 wurden die Wöllersdorfer Steinbrüche zusammen mit großen Kalköfen beschrieben. Damals wurde dort Kalkstein unter anderem zur Herstellung von Weißkalk gebrochen.

Heute brennt in diesen Öfen längst kein Feuer mehr. Die Steinbrüche sind verstummt, die ehemaligen Arbeitsflächen überwachsen und von der einstigen Industrie sind nur noch einzelne Spuren erhalten.

Die genaue Bauzeit und die eindeutige historische Zuordnung des von Spuren der Stille dokumentierten Ofens zu einem bestimmten Steinbruchbetrieb konnten bislang nicht abschließend festgestellt werden.

Der alte Kalkofen bleibt damit nicht nur ein Relikt der Wöllersdorfer Industriegeschichte, sondern auch ein Ort, dessen eigene Geschichte noch nicht vollständig entschlüsselt ist.

Keine Hinweise zum Umgehen von Absperrungen oder zum unerlaubten Betreten.

QUELLEN

Recherche.

Geologische Bundesanstalt – Erläuterungen zur Geologischen Karte
Besonders wichtige Quelle für #009. Sie beschreibt drei große aufgegebene Wöllersdorfer Steinbrüche. Für den nordwestlichen Steinbruch wird ausdrücklich eine Feldbahn zum Bahnhof Wöllersdorf und ein Kalkofen vor dem Steinbruch erwähnt. Um 1900 wurden in den Wöllersdorfer Kalkbrüchen noch etwa 1.000 m³ Quader- und 6.000 m³ Bruchstein produziert; kurz danach kam der Abbau zum Erliegen.

Geologische Bundesanstalt / BOKU – Neogene Bau- und Dekorgesteine Niederösterreichs
Dokumentiert den Wöllersdorfer Stein, seine Verwendung und ausdrücklich ehemalige Kalköfen in den Steinbrüchen. Die Steinbrüche werden als stillgelegt und verwachsen beschrieben.

Heinrich Schmid – Die Kalksteinbrüche der Randgebirge des Wiener Beckens, 1894
Eine besonders wertvolle historische Quelle. Bereits 1894 werden die großen Wöllersdorfer Steinbrüche und die damit verbundenen großen Kalköfen beschrieben. Damals wurde dort unter anderem Kalkstein zur Weißkalkerzeugung gewonnen.

Marktgemeinde Wöllersdorf-Steinabrückl – Historische Entwicklung der Gemeinde
Bestätigt die jahrhundertelange Nutzung der Wöllersdorfer Steinbrüche und ihre Bedeutung im 19. Jahrhundert. Wöllersdorfer Stein wurde unter anderem für die Wiener Ringstraßenbauten verwendet.

Spuren der Stille – Eigenrecherche 2026
Standortdokumentation des erhaltenen Ofenbauwerks bei 47.872456, 16.158415 sowie Abgleich mit historischen und geologischen Quellen.

Recherchehinweis: Die Existenz ehemaliger Kalköfen in den Wöllersdorfer Steinbrüchen ist historisch eindeutig belegt. Die exakte Zuordnung des Bauwerks bei 47.872456, 16.158415 zu einem bestimmten historischen Kalkofen bzw. Steinbruchbetrieb konnte bislang jedoch nicht zweifelsfrei bestätigt werden.